Nachhaltigkeit ist divers! – Strukturtreffen des AK Innovation und Umwelt in Heidelberg

Das erste Strukturtreffen des AK Innovation und Umwelt fand dieses Jahr vom 25.06-27.06.2018 im wunderschönen Heidelberg statt. Teilgenommen haben 20 Stipendiaten aus den verschiedensten Studienfachrichtungen und Regionen Deutschlands – also ein guter Mix, um richtig innovativ und kreativ zu werden.

 Nach einem kurzen Blick auf die Projekte des AK IU des letzten Jahres ging es sofort in die Brainstorming-Phase zur Entwicklung von Seminar-Ideen. Es hat sich gezeigt, dass Nachhaltigkeit und Innovation als Themen sehr vielfältig aufgegriffen werden können. Herauskristallisiert haben sich die Themen Health-Literacy (Gesundheitskompetenz), Kernenergie, Agrarpolitik und Forschung. Nun ging es dann gleich auch in die erste Planungsphase in Kleingruppen, um diese Ideen auszuarbeiten. Es wurde leidenschaftlich und angeregt diskutiert und argumentiert. Obwohl es sich nun wirklich um ganz verschiedene Themen handelte, kamen immer wieder die gleichen Fragen auf: Welche Rollen spielen die Politik und das Individuum? Wer kann wirklich Veränderung initiieren und durchsetzen? Wie weit darf die Politik z. B. mit Gesetzen und Regulationen in die Entscheidungsräume des Bürgers eingreifen? Und welche ethischen, rechtlichen und liberalen Dilemmas ergeben sich dadurch? Wie kann man Leute für Nachhaltigkeit sensibilisieren und motivieren? Und natürlich welche Alternativen gibt es für traditionelle Ansätze? Eine Fülle an Fragen, die zu vielen interessanten Gestaltungskonzepten und Ideen für Referenten führte … lasst euch im nächsten Jahr überraschen!

Highlight am Samstag war die Besichtigung der internationalen Bauausstellung (IBA). Die IBA hat es sich zum Ziel gesetzt, durch innovative und interdisziplinäre Ansätze neue Räume für Wissenschaft, Lernen, Vernetzung, Stoffkreisläufe und Koproduktion in der Stadt zu schaffen. Anhand vieler Modelle, Graphiken, Filme und interaktiver Partizipationsmöglichkeiten haben die Besucher der IBA die Möglichkeit, die Ideen, Konzepte und Innovationen hinter den Projekten zu verstehen.

Die Abende wurden zusammen in der malerischen Heidelberger Altstadt verbracht. Bei Cocktails oder Bier konnten wir uns als Gruppe noch besser kennen lernen, diskutieren und den Tag nach produktiven Stunden entspannt ausklingen lassen.

Weiterhin wurde das Treffen des AK IU genutzt, um einen Nachfolger für Karolina Piaskowska zu wählen, die seit 2016 als Koordinatorin im AK IU tätig ist. Neben ihren Aufgaben als Koordinatorin, hat sie u. a. die sehr erfolgreichen AKIU-Seminare zu den Themen Upcycling und Klimawandel mitorganisiert. Wir bedanken uns herzlich für ihr tolles Engagement! Neu im Koordinatoren-Team (siehe rechtes Bild) begrüßen wir dafür Behin Minaei!

Das AK IU freut sich natürlich, euch bei den nächsten Seminaren und dem Strukturtreffen im Herbst zu begrüßen.

 

Informationen zur Autorin

 

Yasmin Youssef
Medizin, 2. Semester
Universität Leipzig
In der Grundförderung seit April 2017

(Perspektiven zur) Energie im Wandel

Innovation – Zwischen Technik und Gesellschaft

Zum Einstieg stellte Mats Simmermacher von der Technischen Universität Dänemarks noch am ersten Abend anschaulich den menschlichen Einfluss auf das Klima dar. Durch die kompetenten Antworten auf diverse Nachfragen, insbesondere bezüglich der Aussagekraft einzelner Grafiken, gelang es ihm dabei, jede Skepsis an der Stichhaltigkeit der Erkenntnisse der Klimaforscher auszuräumen. Obwohl er dabei teilweise tief in das Reich der Chemie eingedrungen ist, brachte er die Kernaussagen stets gekonnt auf den Punkt. Erste Diskussionen zu verschiedensten Aspekten des Klimaschutzes entwickelten sich beim anschließenden Ausklingen des Tages im Heuss-Club.

Der nächste Morgen begann mit einem Vortrag von Herrn Dr. Ludger Mohrbach von VGB-Powertech, einem internationalen Interessenverband von Unternehmen aus der Elektrizitäts- und Wärmeversorgungsbranche. Dieser befasste sich mit den technischen Möglichkeiten und Grenzen der klimafreundlichen Energiegewinnung. Besondere Schwerpunkte legte er dabei auf die eingeschränkte Grundlastfähigkeit der erneuerbaren Energien und die notwendigen Maßnahmen zur Kompensation dieser Defizite. Auch stellte er die Sonderrolle Deutschlands in Bezug auf den Ausstieg aus der Kernenergie dar. Diesen plant keine andere Nation in absehbarer Zukunft, nicht zuletzt, weil die Kernkraft eine weitestgehend treibhausgasfreie Technologie ist und entgegen weit verbreiteten Annahmen auch kosteneffizient ist. Auch eine Diskussion über die Chancen von Carbon Capture and Storage (CCS) Technologie, ein Sammelbegriff für verschiedene Ansätze, produziertes CO2 zu speichern, sodass es nicht in die Atmosphäre gelangt, wurde im Rahmen des Vortrages geführt.

Im Anschluss präsentierte Philipp Behm vom Deutschen Steuerzahlerinstitut die Sicht eines Ökonomen auf die Art und Weise, wie Deutschland seine Klimapolitik betreibt. Dabei stellte er nicht die Ziele selbst in Frage, sondern lediglich die Umsetzungsversuche. Anhand der Betrachtung einzelner Maßnahmen und einer groben Abschätzung ihrer Effizienz arbeitete er sich zu einem Gesamtfazit vor. Darin bemängelte er insbesondere sektorielle und teils planwirtschaftliche Förderungsansätze, die auch Technologieoffenheit vermissen lassen. Eine mögliche Lösung sah er in der Ausweitung des Emissionshandels auf alle Sektoren, womit ein marktwirtschaftliches Instrument mit simpler Umsetzbarkeit und einfacher Steuerung möglich scheint.

Nach der Mittagspause klärte Prof. Dr. Markus Ludwigs der Universität Würzburg das interessierte Plenum über die rechtlichen Randbedingungen auf. Dabei nahm er insbesondere auf das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) Bezug. Obwohl sich nicht viele Juristen unter den Zuhörern befanden, wurde der Vortrag als sehr verständlich bezeichnet. Überraschend war vor allen Dingen die hohe Schlagzahl, mit der der Gesetzgeber an Neufassungen der EEG arbeitet, und wie die Europäische Kommission über Beihilfeverfahren einen starken Einfluss auf das deutsche Gesetz ausübt und sich für mehr Technologieoffenheit und marktwirtschaftlicheres Vorgehen einsetzt. Zudem erfuhren die Teilnehmer, wie der Europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht verschiedene Entscheidungen bewertet haben, was teilweise Anlass für lebhafte Diskussionen bot.

Daraufhin stellte Tim Petzholdt die Forderungen von Greenpeace, wofür er sich ehrenamtlich engagiert, im Bereich der Energiewende dar. Diese bestehen vor allem in einem sehr zügigen Ausstieg aus der Kohleverstromung und in der Beibehaltung des Atomausstiegs. Außerdem fordert Greenpeace, Einfluss auf die Nachbarstaaten zu nehmen, um auch diese zur Abschaltung von Kernkraftwerken zu bewegen. Bedauerlich war, dass auf Fragen zur Versorgungssicherheit nur mit Jahresmittelwerten geantwortet wurde, die keine Aussagekraft im Hinblick auf die dauerhafte Versorgung haben, da dabei die gesamte Fluktuation der Produktion gemittelt wird und diese Fluktuation derzeit nicht durch Speichermedien abgefangen werden könnte. Auch in Bezug auf die verschiedenen Typen von Kernkraftwerksreaktoren und deren GAU-Fälle ergaben sich mehrfach angeregte Diskussionen mit dem Plenum.

Nach dem Abendessen folgte eine Fischbowl-Diskussion, welche zunehmend an Fahrt aufnahm. Neben den bisher angeschnittenen Themen wurde auch der Aspekt des Konsumentenverhaltens diskutiert. Da auch nach dem planmäßigen Ende der Fishbowl noch Diskussionsbedarf bestand, klang auch dieser Abend gesprächig im Heuss-Club aus.

Der letzte Tag begann, zumindest für den Autor, mit einem Höhepunkt der Veranstaltung. Unter dem Titel „Heißer als die Sonne – auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ führte Prof. Dr. Rudolf Neu vom Institut für Plasmatechnik der TU München in die Fusionstechnologie ein. Neben dem aktuellen Forschungsstand und den vorhandenen Problemen wurde auch ein vorsichtiger Ausblick in die Zukunft gegeben. Trotz der hohen Komplexität des Sachverhalts gelang es Prof. Dr. Neu ein grundlegendes Verständnis für den Vorgang der Kernfusion und den notwendigen Bedingungen zu vermitteln.

Als letzter Referent trat Dietmar Brockes, Sprecher der FDP-Landtagsfraktion für Wirtschaft, Industrie und Energie in Nordrhein-Westfahlen auf. Er arbeitete sich von der Kritik an bestehenden Klimaschutzmaßnahmen zu Lösungsvorschlägen vor. Dabei teilte er im Wesentlichen die Kritikpunkte des Ökonomen Philipp Behm und brachte auch ähnliche Lösungsvorschläge vor. Darüber hinaus stellte er die bisherige Fokussierung auf den Elektrizitätssektor in Frage. Er gestand natürlich zu, dass insbesondere die Reformation des Zertifikate-Handels als zentrales Element eines liberalen Lösungsansatzes, aber auch das Einschränken von bisherigen ineffektiven Maßnahmen – trotz horrender Ausgaben wird Deutschland seine selbstgesteckten Ziele bis 2020 ja größtenteils verfehlen – hauptsächlich Sache des Bundes oder gar Europas ist und dort nicht alle Akteure die Ansichten der FDP teilen.

Die abschließende Feedbackrunde offenbarte die Zufriedenheit der Teilnehmer mit den Referenten und den Organisatoren Lutz Lohmann, Max Neumann, Sebastian Siegel und Patricia Zentgraf und lieferte auch zugleich die eine oder andere Idee für zukünftige Seminarthemen. Dank der guten Stimmung unter den Teilnehmern ergaben sich sogar nach dem Ende der Veranstaltung noch Unterhaltungen unter jenen Teilnehmern, die nicht termingebunden abreisen mussten. So endete ein informatives Wochenende mit gepflegter Debattenkultur.

Informationen zum Autor

 

Till Hübschen
Luft- und Raumfahrttechnik B.Sc.
Universität Stuttgart
In der Grundförderung seit April 2016

Strukturtreffen II/2102 – Der AK IU und die Zukunft

Saarbrücken, November 2012

Im November tagte der Arbeitskreis Innovation und Umwelt zum 2. Strukturtreffen 2012 in der Villa Lessing in Saarbrücken.
15 Studierende kamen, um die erfolgreiche Erweckung des AK IU zu bestaunen. Im 1. Strukturtreffen des Jahres wurde nämlich ein Maßnahmenkatalog erstellt, der gewährleisten sollte, den AK IU neu aufzubauen und wieder in ein neues Licht zu rücken. Tatsächlich wurde bei einer Präsentation klar, dass die Neuerungen und Verbesserungen des Leitbildes, der Homepage und des Plakates für die Einführungsveranstaltungen mit dem neuen Logo, den AK in einem neuen Licht erstrahlen lassen und so hoffentlich viele Neustipendiaten für die gemeinsame Arbeit angeworben werden können.

Natürlich kamen nicht nur bereits erreichte Ziele zur Sprache, es wurden auch neue gesteckt. Dazu gehören u.a. die Neugestaltung des Flyers, die ausstehende Inlandsakademie und neue Seminare. Ein Highlight des Treffens war jedoch sicherlich der Besuch des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) am Samstag. Nicht nur bei einem interessanten und vor allem wortgewandten Vortrag konnte man einiges lernen, vor allem die Vorstellung der Zukunftstechnologien am Beispiel von intelligenten Einkaufssystemen (bessere Beschreibung?) erweckte unsere Neugier und die Idee zu einem neuen Seminar.

Dieses Seminar zum Thema Zukunftstechnologien soll 2014 umgesetzt werden. Außerdem entstanden während des Treffens noch weitere Ideen, wie ein Seminar mit dem Thema Willensfreiheit und eine Fortsetzung des erfolgreichen Seminars Freiheit in der Wissenschaft, dieses Mal mit einem Schwerpunkt auf Tierrechte, Forschung und Konsumverhalten. Bereits festgelegt sind die Seminare „Ausstieg aus der Verschwendung – Effizienz in der Energiepolitik“ vom 24.05.2013-26.05.2013 in der THA in Gummersbach und genaue Daten zum Seminar „Rohstoffknappheit“?

Schließlich mussten wir uns noch von unserem AK-Leiter Matthias Kaiser verabschieden, der tolle Arbeit geleistet hat, jedoch aufgrund seines Eintritts in die Arbeitswelt nicht mehr im AK dabei sein wird. Alles Gute für dich, Matthias!

Michael Heihsel und Lasse Krieger sind uns bei der Koordinatorenwahl jedoch erhalten geblieben, zusätzlich darf Timo Brünger zur Wahl gratuliert werden.

Alle drei freuen sich selbstverständlich auf Anfragen von Interessierten, die sich bei uns engagieren wollen, ansonsten kann man auch unserer Facebook-Gruppe „Arbeitskreis Innovation und Umwelt“ oder der Stipnet-Gruppe beitreten.

 

Freiheit in der Wissenschaft – Innovation um jeden Preis?

Ein Seminar zu Stammzellenforschung und PID im Rahmen einer bio-ethischen Betrachtung

Seit den Fortschritten in den Bereichen künstlicher Befruchtung, embyronaler und adulter Stammzellenforschung und natürlich seit dem Klonschaf Dolly findet in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft eine fortlaufende rege Diskussion über Gefahren und Möglichkeiten, Ängsten und Chancen dieser Forschungsrichtung statt. Auch nach dem Bundestagsbeschluss zur Präimplantationsdiagnostik (PID) bleibt das Bedürfnis nach einer weitergehenden Debatte. Zusätzliche Aktualität erhielt das Thema durch den in der Vorwoche an die beiden Stammzellforscher John B. Gurdon und Shinya Yamanaka vergebenen Nobelpreis für Medizin und die damit verbundenen neuen Erkenntnisse in der Stammzellenforschung. Die beiden Biologen Nikola Haneke und Michael Reinders aus dem Arbeitskreis Innovation und Umwelt griffen das Thema deshalb für ein umfassendes Seminar auf. Vom 19.10.2012-21.10.2012 fanden sich dazu Referenten aus Wissenschaft und Ethik sowie interessierte Teilnehmer in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach zusammen. Besonders förderlich für das sehr angeregte Diskussionsklima war die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe: Stipendiaten wie auch stiftungsfremde Interessenten, Teilnehmer mit fachlichen Vorkenntnissen und fachfremde Studenten. Durch die sehr gelungene Gratwanderung zwischen fachlichen Details und allgemeinverständlichen Grundlagen kam jeder Teilnehmer auf seine Kosten. Der Grundgedanke der Organisatoren, als Naturwissenschaftler zu den zahlreichen zumeist geisteswissenschaftlichen Veranstaltungen der Stiftung auch ein naturwissenschaftlich ausgerichtetes Seminar anzubieten, kam bei allen Teilnehmern sehr gut an.

Den Auftakt des Seminars gestaltete Dr. Gérard Bökenkamp mit seinem Vortrag über die liberale Haltung zur Freiheit in der Wissenschaft. Mit diesen allgemeinen Ausführungen als Grundlage folgten am nächsten Tag zwei Vorträge, die im Gegensatz dazu zunächst die biologisch-technische Seite der Debatte beleuchteten. Prof. Dr. Andreas Faissner sprach dabei über die heutigen Möglichkeiten der Regenerativen Medizin und Stammzellenforschung. Dr. Jens C. Schwamborn vervollständigte mit seinem Vortrag über die Chancen und Möglichkeiten der adulten Stammzellen anschließend die kurze Führung durch biologische Grundlagen. Am Mittag wurden in einem Workshop unterschiedliche Haltungen aus Philosophie und Kirche zu den genannten Themen erarbeitet und vorgestellt. Die sehr vorhersehbare kirchliche Meinung sorgte für allgemeine Erheiterung. Die Haltungen der untersuchten Philosophen Peter Singer und Ludger Honnefelder wurden jedoch engagiert und kontrovers von den Teilnehmern diskutiert. Am Abend führte abschließend Dr. jur. Tanja Henking, LL.M., mit ihrer Präsentation über die rechtliche Entwicklung der PID in die juristische Dimension des Komplexes ein. Den mit dem Workshop eingeleiteten ethischen Teil komplettierte am folgenden letzten Tag Theresia Volhard vom Deutschen Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften Bonn (DRZE) mit ihrer kurzen Vorstellung des Zentrums und ihrer Tätigkeit. Danach folgte als Highlight und Abschluss des Seminars eine Podiumsdiskussion zwischen Dr. Schwamborn, Dr. Henking und Theresia Volhard. Da die Seminarteilnehmer schon die ganze Zeit hindurch zwischen den Programmpunkten, beim Essen und Abends bei einem Glas Bier ausgiebig zum Thema debattiert und viele weitere Fragen entwickelt hatten, konnte die starre Form einer Podiumsdiskussion bald zu einer offenen Debatte zwischen allen Beteiligten aufgebrochen werden.

Die grundsätzliche Frage, die während des gesamten Seminars und dann auch bei der Podiumsdiskussion mitschwang, ist die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens. Die Antwort darauf beeinflusst schließlich maßgeblich die persönliche Einstellung bezüglich der in Deutschland verbotenen ES-Stammzellenforschung, PID und Abtreibung. Da der Embryo während der Forschungsaktivität zerstört wird, ist die Definition, ab wann ein werdender Mensch als Mensch mit Menschenwürde bezeichnet wird, für eine Beurteilung sehr wichtig. Schon hier gingen die Meinungen und Ansichten stark auseinander, sodass eine angeregte Debatte über das ganze Wochenende hinweg zu verzeichnen war. An die Frage der Menschwerdung und die damit verbundene Menschenwürde schloss sich die Diskussion an, ob hier nicht der Zweck die Mittel heile. Durch embyronale Stammzellenforschung könnten auf lange Sicht Erkenntnisse über die Bekämpfung vieler schwerer Erkrankungen wie Krebs oder auch Parkinson erlangt werden. Andererseits könnten diese Erkenntnisse eventuell auch durch eine verstärkte Forschung im Bereich der gesetzlich erlaubten Forschung an adulten Stammzellen, also Stammzellen erwachsener Menschen, bezogen werden. Auch der Bereich der in Deutschland nur sehr eingeschränkt erlaubten PID barg großes Diskussionspotential. Auf der einen Seite reichte die Debatte in die Stammzellendiskussion hinein, da bei einer künstlichen Befruchtung mehrere Embryonen erstellt werden, deren Überzahl aufgrund des Forschungsverbots an embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) eingefroren werden. Dabei stellt sich die Frage, ob die Menschenwürde der Embryonen durch das Einfrieren besser geschützt wird als durch die Gewinnung wichtiger Forschungserkenntnisse zur Krankheitsbekämpfung o.ä. aus Untersuchungen der überzähligen Embryonen. Auf der anderen Seite kreiste die allgemeine Debatte um die PID-gestützte Auswahl des gesündesten Embryos, der dann der Mutter eingesetzt wird. Ist es moralisch vertretbar, über das Leben oder den Tod (bzw. in diesem Fall das Einfrieren) eines menschlichen Wesens zu entscheiden? Wer entscheidet dabei, mit welchen Krankheiten das Leben noch lebenswert bleibt, und mit welchen nicht? Auch eine mögliche Zuspitzung der Thematik durch die Überlegung der ungewollten Eugenik oder die Erschaffung von „Designerbabys“ wurde dabei berücksichtigt. Über der gesamten Thematik schwebt dabei auch immer die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben möchten. Heißt Pluralität, Unterschiede und Krankheiten zu akzeptieren? Sind wir es den Menschen schuldig, schlimme Krankheiten und Behinderungen möglichst zu verhindern? Oder kann das Aussortieren erbkranker oder behinderter Embryonen zu einer weitergehenden Diskriminierung Behinderter führen? Gibt es das Recht auf ein gesundes Kind? Inwieweit darf der Mensch eingreifen in den natürlichen Lauf des Lebens? Auch das Aufkommen einer möglichen Zweiklassengesellschaft – Menschen, die sich eine ausgedehnte PID leisten können, und solche, die dies nicht können – im Gesundheitssystem wurde in diesem Zusammenhang diskutiert. Es ist selbstverständlich, dass bei einer derart vielschichtigen und ethisch sehr schwierigen Fragestellung eine eindeutige Lösung utopisch ist. Dennoch konnten anhand der fundierten Vorträge und durch den Austausch untereinander individuelle Meinungen gebildet werden. Großartige Diskussionen, die naturwissenschaftliche Ausrichtung und die hervorragende Organisation von Nikola Haneke und Michael Reinders machten das Seminar zu einer ganz besonderen Veranstaltung. Alle Teilnehmer waren sich abschließend einig darin: Gerne wieder!

Bericht von Marlene Miersch und Michael Heihsel (erschienen im freiraum 2012)

Strukturtreffen I/2012 in Berlin

Bei Erdbeeren mit Schlagsahne ging es beim Strukturtreffen am 12. und 13. Mai des Arbeitskreises Umwelt und Innovation gleich zur Sache. Im Thomas-Dehler-Haus in Berlin diskutierten die 13 jungen Stipendiaten über Internetauftritte, Strukturen und Image des AK. Schnell wurden die betreffenden Aufgaben passend auf die jeweiligen Studenten vergeben. So wurde die Gestaltung des Logos der Kommunikationsdesignstudentin Linda anvertraut. „Als einzige Designstudentin möchte ich mich natürlich gestalterisch in meinem AK einbringen.“, kommentierte sie ihre neue Aufgabe. Die Neustipendiaten erklärten sich auch bereit, die Berichterstattung und die Gestaltung einer Homepage zu übernehmen.

Bei der Besprechung neuer Seminarideen zeigte sich das große Spektrum des Arbeitskreises und die Stipendiaten bewiesen ihre Kreativität und ihre Einsatzbereitschaft. So wurden Seminare geplant, wie zum Beispiel: Urban Gardening: Die ökologische Metropole; Wie lässt sich Wirtschaftswachstum in den Metropolregionen mit Nachhaltigkeit und Ökologie vereinen?

Auch ein Projekt über seltene Erden und Rohstoffknappheit ist geplant. Des Weiteren ist der Gedanke aufgekommen, eine Inlands-oder Auslandsakademie zu veranstalten.

Am Samstagabend wurde sich in geselliger Runde beim Abendessen über andere Themen unterhalten, zum Beispiel das Finale des DFB-Pokals.

Am Sonntag wurden dann noch kritische Punkte, wie besondere Projekte für Mint-ler (Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler, Techniker) und neue thematische Ausrichtungen für den AK besprochen. Vieles wurde an diesem Wochenende angeregt, viele Aufgaben verteilt und Weiteres folgt in Kürze…

Bericht von Janine Jargow und Linda Hanses (erschienen im freiraum 2012)

Seminar: Produkte und deren Patentierung

– sinnvoller Innovationsschutz oder gefährliche Wettbewerbseinschränkung?

Der AK Innovation und Umwelt lud vom 18. bis 20. Mai 2012 in die Theodor-Heuss-Akademie (THA) in Gummersbach ein, um sich mit dem Thema Produktpatentierung, sowie dem Schutz von geistigem Eigentum auseinanderzusetzen. Tagtäglich haben wir mit Patenten zu tun. Doch dienen Patente wirklich einem sinnvollen Schutz von geistigem Eigentum oder schaffen sie nicht nur eine Monopolstellung für den Inhaber? Diese Fragestellung wollte der Arbeitskreis dabei kritisch erörtern.

Nach einer Einführung zu den verschiedenen Schutzrechten durch Patentanwalt Michael Schirmuly (KNH Patentanwälte Düsseldorf) und die Patentierung in der Hochschulpraxis durch die Patentscoutin der FH Köln Frau Dr. Stephanie Grubenbecher, ging es mehr und mehr in die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von solchen Schutzrechten. Durch einen Impulsvortrag von Manuel Barkhau (Philosoph, Übersetzer und freier Programmierer), der anregte jegliche Art von Schutzrechten zu verbieten und dadurch einen vollkommenen Systemumbruch auslösen wollte, wurde eine lebhafte und kontroverse Diskussion losgetreten. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die eine Fraktion mit der gängigen Praxis durchaus einverstanden ist und die andere jegliche Art von Eingriffen durch Schutzrechte in den Markt als nicht vertretbar ansieht. Dabei wurde auch über Themen gesprochen, wie die Entlohnung von „geistigem Eigentum“ geschehen soll.

Diese Auseinandersetzung setzte sich mit der Diskussion mit Alexander Plahr (Mitglied im Vorstand der ELDR) fort, der vor allem die Notwendigkeit des Innovationsschutzes für die Wirtschaft darstellte. Ihm ging es dabei insbesondere um den Innovationsfortschritt, der absolut notwendig für eine gesunde Volkswirtschaft ist.

Den Höhepunkt des Seminars stellte der Vortrag von Dr. Ruth Tippe von der Initiative „Kein Patent auf Leben“ dar. Frau Tippe erklärte anhand von Brokkoli und Tomate, warum Patente auf lebende Organismen, wie Tiere und Pflanzen, nicht sinnvoll und sogar schädlich sind. Denn dadurch zeichnet sich eine Monopolisierung der Saatgutindustrie ab, die fatale Folgen wie Monokulturen oder steigende Saatgutpreise nach sich zieht. Auf eindrucksvolle Weise illustrierte sie die Auswirkungen auf Kleinbauern, sowohl in Europa, als auch in der Dritten Welt. Zwangsläufig ging sie dann auch auf die Rolle von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ein. Nach Meinung der promovierten Biologin ist grundsätzlich an GVOs nichts auszusetzen, aber die Forschung dürfe nicht auf dem freien Feld stattfinden und ferner habe sich nach dem Boom in den 1990er-Jahren kein Erfolg der GVOs eingestellt.

In der gemeinsamen Diskussion wurde auch noch einmal auf die Komplexität der Thematik hingewiesen, die es Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und sogar in der Landwirtschaft erschwert, „richtige“ Entscheidungen zu treffen. Abschließend stellte Herr Bernd Klein von Bodenseo IT-Schulungen einige Paradoxa zu IT-Patenten vor, die eigentlich gar nicht patentierbar sind, aber heutzutage dennoch häufig auf diese Weise geschützt werden.

Alles in allem fand das Seminar großen Anklang bei den Teilnehmern und Referenten. Unser Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, sowie den engagierten und interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Bei Fragen zu diesem Seminar oder den Aktivitäten des Arbeitskreises Innovation und Umwelt schreibt uns bitte an ak.innovation.umwelt@googlemail.com.

 

Seminar: Ausstieg aus der Verschwendung – Effizienz in der Energiepolitik

24.05.2013-26.05.2013, Gummersbach
Arbeitskreis Innovation und Umwelt

„Energiewende“ ist momentan sicherlich eines der am häufigsten verwendeten Schlagwörter. Zumeist richtet sich der Fokus dabei auf den Ausbau nicht-fossiler Energieproduktion und die Entwicklung gänzlich neuer Formen der Energiegewinnung. Die großen und vielfältigen Potentiale zur Energieeinsparung und die sich dadurch ergebenden energiepolitischen Perspektiven, werden in der öffentlichen Debatte hingegen häufig zu wenig thematisiert.

Hier soll dieses Seminar Abhilfe verschaffen. Nach einem Überblick zur gegenwärtigen Energieversorgung und –nutzung in Deutschland, werden Technologien und Ansätze zur Effizienzsteigerung vorgestellt und so ein umfassender Blick auf die Energiepolitik ermöglicht. Anschließend sollen politischen Konsequenzen dieser Entwicklungen diskutiert und ihre Integrationen in einen liberalen energiepolitischen Ansatz erörtert werden.

Ein detailliertes Programm sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Ausstieg aus der Verschwendung – Effizienz in der Energiepolitik