Frisch freigeschaltet: Anmeldung für das Seminar „Energie im Wandel“

Es gibt neues aus dem AKIU: Frisch freigeschaltet die Anmeldung für das Seminar „Energie im Wandel“ vom 20.-22. Oktober in der THA in Gummersbach

Was Euch erwartet:
Die Energiewende zählt zu den bedeutendsten Vorhaben unserer Zeit. Sie wird durch vielfältige Forderungen und Zielvorstellungen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft geprägt. Zwischen diesen verschiedenen Interessen bestehen sowohl Verflechtungen als auch Konflikte, deren Auflösung die politischen Akteure vor große Herausforderungen stellt.

Im Rahmen unseres Seminars „Energie im Wandel“, welches den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Innovation zwischen Technik und Gesellschaft“ des AK IU bildet, werden ausgewiesene Experten ihre Ideen und Konzepte zu den rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Energiewende, ihrer technologischen Umsetzbarkeit sowie zu ökologischen Aspekten präsentieren. Gemeinsam mit Euch möchten wir die verschiedenen Positionen diskutieren und Lösungsansätze entwickeln.

Anmelden könnt ihr Euch unter https://shop.freiheit.org/#!/Veranstaltung/AALR7.

Wir freuen uns, Euch bald in Gummersbach begrüßen zu dürfen

In Namen der fleißigen Organisatoren Lutz, Max, Patricia und Sebastian
Eure AKIU-Koordinatorenteam

Save the Date: AKIU-Strukturtreffen 2017/II in München

***Für alle, die das kommende Semester planen***

Save the date: Blockt euch das Wochenende vom 3. bis 5. November, um uns auf dem zweiten AKIU-Strukturtreffen wiederzusehen! Diesmal tagen wir im wunderschönen München.

Bis zur Freischaltung der Anmeldung werden noch einige Wochen vergehen, aber was im Kalender eingetragen ist, ist schon mal sicher 😉 Wir freuen uns schon jetzt auf euch!

 

Meeresbrise an der Ostsee und Brainstorming des AK Innovation & Umwelt

Vom 19. bis 21. Mai 2017 nahmen unsere Stipendiaten am AKIU-Strukturtreffen teil, welches dieses Mal unter dem Motto „Sehnsucht nach Meer“ in der Hansestadt Stralsund an der Ostsee stattfand. Umgeben von naturbelassenen Landschaften und einer Meeresbrise um die Nase wurden die etwa zwanzig Teilnehmer zur Entwicklung von neuen Ideen und Seminarkonzepten im Bereich Innovation & Umwelt eingeladen.
Aus allen Teilen Deutschlands trafen am Freitagnachmittag die teilnehmenden Stipendiaten in der Jugendherberge Stralsund ein. In einer freundlichen Begrüßungsrunde mit warmem Abendessen wurden sie von dem Koordinatorenteam willkommen geheißen.

Als erster thematischer Überblick hielt Dr. Michael Naumann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde einen Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde zum Thema „Küstenschutz, Küstenüberwachung und der aktuelle Umweltzustand der Ostsee“.

Er betonte die derzeitigen Herausforderungen des Klimawandels und erläuterte Umweltschutzinitiativen für das herausragende Naturgebiet der Ostsee. In diesem Sinne gab er einen Einblick in die besondere Küsten- und Meeresspiegelentwicklung der Ostsee in den letzten Jahrtausenden und erklärte, wie Landsenkungen, Überflutungen und Inselbildungszyklen die Sediment- und Meerwasserströme in der Ostsee modulieren.

Dr. Naumann beschrieb die aufwendigen Forschungsinitiativen in der Ostsee, die das Ziel verfolgen, durch geophysikalische Sonden den Zusammenhang zwischen dem Meeresrelief, dem Höhenprofil und der tatsächlichen Änderungsrate des Wasserspiegels zu ermitteln und zu verstehen. Auf diese Art und Weise wird die Dynamik der Wasser- und Sauerstoffregeneration und der Sediment- und Nährstoffströmungen in der Ostsee ergründet und verstanden. Die so gewonnenen Kenntnisse werden genutzt, um sinnvolle Maßnahmen für den Schutz der Küstenlinie, der Landschaft und der Meeresbewohner zu erarbeiten.

Nach diesem spannenden Brainstormingimpuls stellte das Koordinatorenteam die Veranstaltungen des AKIU der ersten Hälfte des Jahres vor. Beispiele dafür sind die erfolgreichen Seminare ‚Wasser – Elixier des Lebens‘ und ‚Liberale Lösungswege für den Klimawandel‘. Mit dieser kurzen Einführung wurde die Notwendigkeit unterstrichen, aktuelle Problematiken mit praktischen Ansätzen bei der Planung von Seminaren zu berücksichtigen. Den Abend ließen die Teilnehmer in einer entspannten Kennenlernen-Atmosphäre am Stralsunder Strand mit Blick auf den Sonnenuntergang ausklingen.

Am Samstagmorgen erlebten die Stipendiaten eine Führung im Deutschen Meeresmuseum Stralsund. Neben Aquarien, Meeresschildkröten und interessanten Details über die Geschichte der Fischereitradition in der Ostsee beeindruckten die Teilnehmer vor allem die lebensechten Modelle von marinen Tieren und deren Habitaten, die durch Überfischung und zunehmendem Müll in den Meeren in ihrer Vielfalt verschwinden. Sehr interessant war außerdem das berühmte Modell einer tropischen Lederschildkröte, die im Jahr 1965 in der Ostsee gefunden wurde. Dieses Modell versucht, den Besucher auf die Schönheit und Zerbrechlichkeit der marinen Lebensformen und Habitate aufmerksam zu machen.

Nach diesem anregenden Besuch mit neuen Perspektiven auf die Meereslandschaften rund um die Jugendherberge entwickelten die Stipendiaten den Rest des Samstagnachmittags und Sonntagmorgens neue Seminarkonzepte und Themenschwerpunkte. Die Erarbeitung der Themen erfolgte in verschiedenen Gruppen, u.a. über Smart Cities, Ausbildung im MINT-Bereich, Kosmetik und innovative Transportmethoden (z. B. eBike). Mit diesen vielfältigen Seminarthemen hat sich der AKIU erneut breit aufgestellt und zeigt sich neugierig für aktuelle gesellschaftliche und wissenschaftliche Fragestellungen. Am Sonntagmorgen präsentierten die Gruppen ihre Konzepte im Plenum und stimmten die Seminare für das Jahr 2018 ab.

Während des Wochenendes kamen auch Entspannung und Freizeit nicht zu kurz: Beachvolleyball, kaltes Bier und einige mutige Schwimmer erfrischten sich sogar in den Gewässern der Ostsee. Für die gute Atmosphäre unter den Teilnehmern und das vielfältige interessante akademische und soziale Programm möchte ich mich beim Koordinatorenteam, bestehend aus Karo, Kaija, Lutz, Carina und Max, recht herzlich bedanken, ebenso bei allen, die das Wochenende mitorganisiert und mit ihren Ideen, ihrer Offenheit und guten Laune bereichert haben. Euch allen herzlichen Dank!

Informationen zur Autorin

Carla Madueño
Global Change Ecology M.Sc
Universität Bayreuth
In der Grundförderung seit April 2017

Wasser – Elixier des Lebens

Wenige THA-Besucher kamen vermutlich mit ihr direkt in Kontakt. Dabei nutzt uns das Ergebnis ihrer Arbeit jeden Morgen schon beim Gang ins Bad. Und sie liegt direkt vor der Tür: Die Aggertalsperre. Sie und der lebenswichtige Stoff, den sie zurückhält, sollten uns ein Wochenende lang begleiten.

Wir fahren keine 20 Minuten, da eröffnet sich vor uns der Blick auf das ca. 45m hohe Bauwerk. Gebaut in den 20er Jahren, gefährdet im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe und renoviert in den 60ern, bildet sie ein zentrales Element in der Trinkwasserversorgung im Wassereinzugsgebiet der Agger. Koordiniert wird sie von Prof. Dr. Lothar Scheuer, Geschäftsleiter des Aggerverband, der uns an diesem Wochenende zuerst in die Aufgaben eines Wasserverbandes einführt und uns im Anschluss vor Ort die Sperre näherbringt. Wir starten am Fuße der Talsperre, wo uns direkt beigebracht wird, dass auch ein solch funktionelles Bauwerk kosmetisch ein wenig aufgewertet wurde. Zwar diente als Baustoff Gussbeton, zur ästhetischen Vollendung kleidet sie sich allerdings in einer dicken Schicht aus Bruchstein. Natürlich bleiben wir nicht oberflächlich und besichtigen die Kontrollgänge, zu denen die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. Hier befinden sich schließlich Knöpfe und Hebel, mit denen sich die Ventile und Klappen weiter öffnen lassen. Im oberen Gang entdecken wir dann eine horizontal verlaufende Fissur. Die sei das Ergebnis einer länger aussetzenden Bauphase aufgrund der Insolvenz des ersten Unternehmens damals, werde stets beobachtet, hätte sich aber bisher nie weiter ausgedehnt. Immerhin: Die Talsperre schwankt mit steigendem Wasserpegel um bis zu 1 cm! Im unteren Gang wird es dann feucht. Kondensationswasser („Schwitzwasser“) erzeugt hier den Eindruck einer menschengemachten Tropfsteinhöhle. Das sei aber nicht weiter schlimm, beruhigt uns Prof. Scheuer, lediglich das sogenannte Fugenwasser und Versickerungswasser werde streng überwacht und löse einen Alarm aus, wenn es zu viel würde. Mithilfe zweier Lote werden übrigens die besagten Verbiegungen kontrolliert. Ausgelöst hat dieser Alarm nur einmal – weil sich Schimmel im Wasser gefüllten Schwimmlot gebildet hatte. Heute verwendet man daher Öl.

Natürlich bleibt das Wasser nicht nur im Stausee, um Kajakfahrer und Taucher glücklich zu machen. Prof. Scheuer erklärt uns, dass ein der Staumauer nachgeschaltetes Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 2-3 MW Strom für die Region erzeugt. Auch trägt sie zusammen mit Regenüberlaufbecken prophylaktisch durch vorzeitiges „Wasserlassen“ und akut bei Starkregen wesentlich zum Hochwasserschutz bei. Dass wir ein Problem mit Hochwasser haben, liege übrigens häufig am Menschen selbst, wie uns später von Dr. Matthias Schmitt, Leiter der Hauptabteilung Wasser der RheinEnergie AG klarmacht. Am Beispiel des Rheins verdeutlicht er, dass seine Begradigung, also die Beseitigung von natürlichen Nebenflüssen im Bereich des Oberrheins, ein gutes Stück flussaufwärts von Köln, erst die Aufnahmekapazität von Flusswasser dort verringert hat und Köln damit anfälliger für Hochwasser gemacht hat. Der Fokus seiner Arbeit liegt aber auf der Aufbereitung von Trinkwasser. Neben dem Spannungsfeld von historisch begründeten unterschiedlichen Versorgungssystemen links- und rechtsrheinisch lernen wir vor allem den Weg des Wassers zum Trinkhahn kennen. Über Rhein-nahe Brunnen wird das sogenannte Uferfiltrat gewonnen. Ehemalige Autobahnbaugruben dienen als Versickerungsbecken, damit das Uferfiltrat erneut durch den Boden gefiltert und im Anschluss mit Aktivkohlefiltern behandelt wird. Unter strenger Kontrolle der Schadstoffwerte wird es zusammen mit dem Wasser aus Klärwerken in das Netz gegeben und kommt gesünder als abgepacktes Wasser beim Wohnsitz des Verbrauchers an. Und das für 0,002 € pro Liter. Übrigens: Umfragen zufolge fänden die Hälfte der Befragten die Wasserpreise zu hoch, gerade einmal 20 Prozent wüssten allerdings wirklich, was sie bezahlen.

Die Diskussion um Preise oder Gebühren, die von den privat- oder öffentlich-rechtlichen Wasserversorgern erhoben werden, steht wiederum im Spannungsfeld der Monopolstellung der Wasserindustrie, der Deckung ihrer Kosten sowie der Außergewöhnlichkeit des Produktes und seinem Status als überlebensnotwendiges Grundbedürfnis. Prof. Dr. Mark Oelmann von der Hochschule Ruhr West gibt uns hier ökonomische Einblicke in die Regulierung von Wasserpreisen. Dabei stellt er das verpflichtende Benchmarking der 10 Wasserversorger in den Niederlanden dar („naming, faming, shaming“), nimmt Bezug auf einen Wettbewerbsansatz in England durch Zerstückelung der Industrieteile Trinkwassergewinnung, -verteilung und -vertrieb (ähnlich dem Energieversorgungsmodell) und kommt letztlich zum deutschen System. Hier nimmt ein fluktuierender Anteil der 6500(!) Trinkwasserversorger am freiwilligen Benchmarking teil – eine, laut Oelmann eher suboptimale Lösung. Eine weitere Kontrolle der Preise bzw. Gebühren nehmen dann Landeskartellbehörden bzw. Kommunalaufsichtsbehörden vor.

Nach dem ökonomischen Diskurs ist es nun aber Zeit für einen Perspektivenwechsel. Hier übernimmt Dr. Jochem Kail von der Biologischen Fakultät der Uni Duisburg, der uns in seinem Vortrag ökologische Grundlagen des Wasserkreislaufs vermittelt. Denn neben allen konsumorientierten Gedanken dürfen wir nicht vergessen, dass das Wasser viel mehr Funktionen erfüllt, als nur die menschlichen Bedürfnisse zu bedienen. Über den Konnektivitätsbegriff lernen wir die Vernetzung des Flusses mit seiner Umgebung kennen und werden auf eine historische Reise durch die Gewässerentwicklung und -belastung mitgenommen. Dabei erfahren wir wie der Rhein und viele andere europäische Flüsse ausgesehen hätten, hätte der Mensch im Mittelalter nicht schon die Meanderform künstlich herbeigeführt oder später an anderer Stelle die Flüsse tauglich für die Schifffahrt gemacht.

Der Vortrag wird durch einen Einblick in die EU-Wasserrahmenrichtlinie abgerundet. Der Wasserschutz wird nämlich überwiegend auf europäischer Ebene geregelt. Im Jahre 2000 in Kraft getreten zielt die Rahmenlinie darauf ab, bis 2015 einen guten ökologischen und chemischen Zustand unserer gesamten Gewässer herzustellen. Die wesentlichen Elemente der Richtlinie verpflichten die EU-Staaten zur umfassenden Analyse der Flusseinzugsgebiete, Einrichtung eines Überwachungsmessnetzes sowie Erstellung von flussgebietsbezogenen Bewirtschaftungsplänen, welche zyklisch, alle 6 Jahre an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden müssen.

Trotz später Stunde wartet auf uns noch die Wasserverkostung. Voller Erwartungen stellen wir unsere Gläser in der Reihe auf. Schon im Vorfeld wurde angeregt diskutiert, ob man überhaupt einen Unterschied schmecken würde und ob, sofern ein geschmacklicher Unterschied wahrnehmbar ist, es sich nicht um eine Einbildung handle. Die beiden Seminarleiter Swen Straßberg und Markus Fittkow, führen die Wasserverkoster mit gezielten Zwischenfragen auf den richtigen Geschmack. Mehrheitlich verblüffen die mitunter deutlichen Unterschiede zwischen den Wassern, die sich vor allem bezüglich Kalkhaltigkeit (weiches / hartes Wasser), Natriumgehalt und pH-Wert voneinander differenzieren.

Doch die abendliche Wasserverkostung blieb nicht das einzige „Hands-On“-Highlight des Seminars. Am Sonntagmorgen wartet auf uns ein ausführlicher sensorischer Schwellentest für die Geschmäcker sauer, salzig und süß. Swen Straßberg leitet uns durch die intensive Testung. Glas um Glas trinken wir die unterschiedlich konzentrierten Lösungen, um unsere persönlichen Schwellen für die jeweiligen Geschmäcker zu identifizieren. Einige von uns erweisen sich als besonders sensibel. Andere schmecken den Unterschied erst viel später bei einer der höher konzentrierten Lösungen. Allgemein stellen wir fest, dass es je nach Geschmackrichtung Unterschiede gibt. Sauer erkennen wir erst spät, Salzig wird hingegen auch von den eher „Unsensiblen“ schnell erkannt.

Am Ende des Seminars blicken die beiden Seminarleiter in hochzufriedene Gesichter. Welche Erwartungen oder Vorkenntnisse die Teilnehmer auch immer mit zum Seminar gebracht haben: Alle haben das Thema Wasser für sich entdeckt und Wasser, ganz im Sinne des AKIU, mit allen Sinnen erlebt. In stiller Hoffnung auf eine Seminarfortsetzung packen wir unsere mit hochqualitativen Leitungswasser gefüllten Flaschen ein und verlassen einmal mehr den Zauberberg.

Informationen zu den Autoren

Robin Schnelle
Studiert Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Seit 2014 in der Grundförderung der FNF

Karolina Piaskowska
Studiert Integrated Design an der Köln International School of Design
Seit 2014 in der Grundförderung der FNF

Keep the Change – Liberale Lösungswege für den Klimawandel

An einem verschneiten Januarwochenende trafen sich Stipendiatinnen und Stipendiaten, Lokalpolitiker und andere Interessierte aus ganz Deutschland in Gummersbach, um über den Klimawandel und seine Herausforderungen an eine liberale Politik zu diskutieren. Organisiert wurde das Seminar von Stipendiatinnen des Arbeitskreises Innovation & Umwelt, die mehrere hochkarätige Referenten eingeladen hatten.

Den Einstieg machte Mats Simmermacher, einer unserer Altstipendiaten, der an Dänemarks Technischer Universität in Theoretischer Chemie promoviert. Mats sprach über die physikalischen Grundlagen des Klimawandels. Er führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die komplexen Zusammenhänge des globalen Klimas und die ihm zugrundeliegenden physikalischen Prozesse ein. Die Erderwärmung, die Versäuerung der Meere, der Anstieg des Meeresspiegels und die Polschmelze waren zentrale Themen. Es wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die dargestellten Messdaten über die Veränderungen des Weltklimas quantitativ nicht durch natürliche Größen erklärt werden können. So haben zum Beispiel die Milanković-Zyklen, die die Bewegung der Erde um die Sonne beschreiben, zwar langfristig einen erheblichen Einfluss auf das Klima, spielen in Zeiträumen weniger Jahrzehnte aber praktisch keine Rolle. Weiter zeigen die Klimadaten der letzten Jahrzehnte immer wieder hohe Schwankungen, doch zeichnet sich ihnen gegenüber ein klarer Trend ab, der nur durch die Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre zu verstehen ist. Mats hat auch erklärt, wie Wissenschaftler anhand von Kohlenstoffisotopen in der Luft nachweisen können, dass der Anstieg der Kohlenstoffdioxidkonzentration eindeutig auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen ist.

In einer Gruppenarbeit am nächsten Seminartag befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter mit der Funktionsweise und Aussagekraft von Klimamodellen. Mithilfe einführender Fachliteratur brachten sie in Erfahrung, aus welchen Komponenten ein Klimamodell zusammengesetzt ist und mit welchen verschiedenen Unsicherheiten Modelle behaftet sind. So lassen sich zum Beispiel einige Prozesse wie die Wolkenbildung aufgrund der begrenzten räumlichen Auflösung der Modelle derzeit nicht genau abbilden. Trotz dieser Unsicherheiten kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dem Schluss, dass Klimamodelle wertvolle Informationen liefern, an denen man sich in politischen Entscheidungsprozessen orientieren sollte.

Im Anschluss an die Gruppenarbeit stellte Dr. Tobias Geiger vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die gravierendsten Auswirkungen des Klimawandels wie Überflutungen, Dürren, Hitzewellen, Wassermangel und darauf beruhende Migration dar. Auch mögliche ökonomische Folgen wurden thematisiert. In der sich seinem Vortrag anschließenden Diskussion wurde mehrfach Bedauern geäußert, dass diese wirtschaftliche Perspektive unter Liberalen nicht ausreichend wahrgenommen würde, obwohl sie einen guten Ansatzpunkt für liberale Politik bieten würde.

Am Nachmittag des zweiten Seminartages gab Dr. Harry Lehmann vom Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau einen Überblick über die Argumente und Einwände derjenigen, die die Verursachung des Klimawandels durch den Menschen anzweifeln oder gar leugnen. Letztlich seien solche Klimawandel-Skeptiker überall zu finden: in den Medien, unter Politikern und selbst unter Wissenschaftlern. Mehrheitlich würden diese vor allem wirtschaftliche Eigeninteressen verfolgen.

Nach Herrn Lehmann sprach Dr. Sven Schulze von Economic Trends Research in Hamburg über die ökonomischen Perspektiven des Klimaschutzes und darüber, wie der Markt das Klima schützen kann. Kritisch wurde dabei das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bewertet: Zwar sei ein staatliches Eingreifen wegen der externen Kosten des Klimawandels gerechtfertigt, doch sei das EEG ein eher teures Instrument, da mit sinkenden Kosten der Erneuerbaren die Kosten der EEG-Umlage steigen. Effizienter wäre eine allgemeine Emissionsabgabe oder ein Emissionsrechtehandel, da so die besten und innovativsten Lösungen flexibel am Markt gefunden werden könnten. Schulze monierte allerdings, dass der derzeitige Preis der europäischen Emissionszertifikate deutlich unter den zu erwartenden Kosten des Klimawandels läge und die Zertifikate in ihrer bisherigen Form daher nur wenig wirksam wären. Auch müsse der Zertifikatehandel weiter ausgedehnt werden und auf alle Emissionen Anwendung finden. So vermutete Schulze noch großes Einsparpotential bei Verkehr und Wärme. Besonders die Regulierung von Fernwärme sei nicht konsistent.

Beim Kamingespräch am Abend wurde der Bogen zum Liberalismus gespannt. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer bemerkten, dass der Klimaschutz ein wohl eher unliebsames Thema für viele Liberale sei. Trotzdem böte der Liberalismus großes Potential, den Problemen des Klimawandels zu begegnen, da sich eine liberale Wirtschaftsordnung durch Offenheit gegenüber neuen Technologien auszeichne und Ressourcen-Effizienz fördere. Eine Emissionsabgabe sowie ein Emissionshandelssystem könne man zudem als ordoliberale Instrumente bezeichnen, die im Gegensatz zum EEG geeignet seien, eine freie und faire Wettbewerbsordnung zu schaffen. Kontrovers wurde die Rolle des Wirtschaftswachstums diskutiert. Während einige Sorge äußerten, dass das Zwei-Grad-Ziel in Anbetracht des Hungers unserer Volkswirtschaften kaum zu erreichen sei, meinten andere, dass ein erfolgreicher Klimaschutz neue Wachstumschancen ermögliche. Konsens herrschte hingegen darüber, dass es Aufgabe der Liberalen sei, dem auf staatliche Intervention aufbauenden Klimaschutz einen freiheitlichen Lösungsansatz gegenüber zu stellen.

Am Sonntagmorgen hielt Prof. Dr. Markus Lederer vom Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt den abschließenden Vortrag über das Übereinkommen von Paris und die Zukunft der internationalen Klimapolitik. Als Nachfolger des Kyoto-Protokolls hat der Vertrag vor allem eine Reduzierung der globalen CO2-Emmissionen zum Ziel. Aufgrund der neuerlichen Entwicklungen in den USA waren viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleichtert, dass der als agreement ausgestaltete Vertrag auch ohne Ratifizierung im US-Senat Gültigkeit erlangt. Allerdings haben die nationalen Selbstverpflichtungen im Gegensatz zu den im Kyoto-Protokoll festgehaltenen Zielen keine völkerrechtlich bindende Wirkung. Hoffnung spenden kann aber die Tatsache, dass sich 195 Staaten dem Thema des Klimawandels offiziell angenommen und Handlungswillen bekundet haben. Die Staaten stehen außerdem unter Druck, da durch Satellitenaufnahmen und Datenanalysen die Einhaltung der Zusagen überprüft werden kann.

Wenn das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll, muss Deutschland seinen CO2-Ausstoß von 10 t/Kopf pro Jahr auf 2–2,4 t senken. Um das zu erreichen, müssen neben den persönlichen Einsatz des Einzelnen mehr politische Anreize treten.

Information zur Autorin

Marie Garstecki
Promoviert in Augsburg in Rechtswissenschaft
Seit Oktober 2016 in der Promotionsförderung der FNF