Urban Gardening in Berlin – Auch Liberale können grün

Ein sonniger Samstag. In Berlin. 28 Stipendiaten stehen unter einem Schatten spendenden Baum in den Prinzessinnengärten. Über ihnen summen die Bienen. Sie lauschen den Ausführungen der jungen Frau, die davon erzählt, wie alles läuft. Die Menschen können kommen und sagen, dass sie arbeiten wollen und dann können sie gießen oder Unkraut jäten. Jeder, der will kann mithelfen. Viele kommen auch aus der Umgebung, um sich alles anzusehen. Die Hochbeete, die interessanten Gestelle und das ausgeklügelte, selbstgebaute Bewässerungssystem. Alles so günstig wie möglich. Es wird re- und upcycelt.
Dies ist nur einer der vielen interessanten Momente, die die Teilnehmer des Seminars Urban Gardening am Wochenende vom 30. Mai bis zum 1.Juni erlebten. Schon am Freitag gab es nach den interessanten Ausführungen von Herrn Dr. Wolther von Kieseritzky, Referent der FNF, zur Stadtentwicklung Berlins erste spannende Fragen und Anknüpfungspunkte, die beim schmackhaften „organic Buffet“ Abendessen diskutiert werden. Inwieweit die Begrünung der Städte durch Bewohner ein neuer Trend ist, oder durch „Urban Gardening“ nur einen anderen Begriff bekam, wurde genauso besprochen, wie der Ausgang des Volksentscheides zum Tempelhofer Feld. Weiterlesen

Frische(s) Wetter im Arbeitskreis Innovation und Umwelt

Strukturtreffen I/2014 in Saarbrücken
Wir fahren ein.
Ausgerüstet mit Helm, Stirnlampe und bergmännischer Jacke geht es für 17 AK IU’ler im Rahmen des jährlichen Strukturtreffens in den 400 m tiefen Rischbachstollen nahe Saarbrücken. Ein ehemaliger Grubenarbeiter führt uns durch die Gänge des stillgelegten Bergwerks und illustriert mit allerlei Erzählungen das raue Leben der Bergmänner. Wir erhalten einen Einblick in das schwierige Leben der Grubenarbeiter und spüren die Enge und Eingeschlossenheit. Besonders wichtig

Mit dem Essen spielt man nicht? Hier schon!

Bericht zum Lebensmittelseminar vom 14.-16.03.2014

Die Theodor-Heuss-Akademie ist ja für ihr gutes Essen bekannt, dieses jedoch trat bei dem Seminar „Lebensmittellügen, Halbwissen und Mogelpackungen“ durch selbstgemachte Leckereien, wie Analogkäse, Klebefleisch und Sauce Hollandaise vollkommen in den Hintergrund.

Die Stipendiaten des Arbeitskreises Innovation und Umwelt organisierten ein Seminar zum Thema Lebensmittelproduktion und warum unsere Lebensmittel so sind wie sie sind. Nach dem Erfolg eines ähnlichen Seminars 2011 holten sich die Seminarleiter Sandra Böttcher und Kenneth Kieserling dieses Mal Unterstützung durch Swen Straßberger, alle drei sind oder waren Studierende der Lebensmitteltechnologie in Berlin.

Die studierte Ökotrophologin Katharina Kröber bildete den Auftakt am Freitagabend, mit einem Vortrag über den „Dschungel der Lebensmittelkennzeichnung“. Mit der Erkenntnis, dass Marmorkuchen kein Marmor enthält und Babyöl nicht aus Babys hergestellt wird, wurde auch im Anschluss noch munter diskutiert –stilecht am Kamin in der Halle der THA.

Der erste Workshop am Samstagmorgen startet gleich mit einer großen Unbekannten. Dem Analogkäse. Der Thermomix ließ aus diversen Pulvern und Flüssigkeiten ein Käseimitat entstehen (obwohl manche Seminarteilnehmer dieses aufgrund der großzügig bemessenen Beigabe von gelber Lebensmittelfarbe eher als Mangopudding deklarierten). Am Schluss stand bei den meisten Teilnehmern dann doch die Erkenntnis, dass Käseimitat ungefährlich ist und der Hype wohl doch ein wenig übertrieben war. Weiter ging es mit zusammengefügten Lebensmitteln: es wurde das am Vorabend liebevoll zubereitete Klebefleisch von den Teilnehmern verkostet, von Sterne-Koch Swen gekonnt filetiert.

Am Nachmittag erläuterte uns Frau Prof. Alban aus Kiel die Unterschiede zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln. Beeindruckt achteten dann alle Teilnehmer beim Mittagessen darauf, möglichst eine der empfohlenen fünf Portionen Obst oder Gemüse zu essen, und sei es im Früchtequark der Nachspeise.

Am Nachmittag sprach Sandra über das Thema Panikmache in der Lebensmittelindustrie. Dabei klärte sie über die Diskrepanz zwischen Gefahr und Risiko sowie über Dioxinskandal, Vogelgrippe und Konsorten auf – und entlarvte dabei so manches Halbwissen und Vorurteil.

Im zweiten Workshop lüfteten die Seminarteilnehmer zusammen mit Kenneth das Geheimnis des Weizenteigs, erforschten den Unterschied von CapriSonne und Direktsaft und assistierten anschließend Swen bei der Live-Zubereitung von Sauce Hollandaise. Bei der Herstellung von Bubbletea-Bubbles wurden dann alle Teilnehmer schlagartig ins Kindergartenalter zurückversetzt: wieviel Druck braucht man, um den fertigen Gebilden ihren flüssigen Kern zu entlocken? Highlight des Abends war schließlich die Weinverkostung. Stipendiat Michael Halbritter, seines Zeichens Oenologe, führte via Skype in die Grundlagen der edlen Tropfen ein und ließ uns Nougat, Limone und Co. aus ausgewählten Weinsorten herausschmecken. Das angeheiterte Publikum folgte noch dem Vortrag zur Qualitätssicherung von Swen und freute sich dann auf die Anwendung des Gelernten im Heuss-Club der THA.

Am Sonntag bekamen die Zuhörer beim Vortrag von Dipl.-Ing. Scheven viel Schokolade und einen Blick in die Praxis der Lebensmitteltechnologie am Beispiel der Schokoladenherstellung. Glücklicherweise gab es nach dem Probieren der reinen, sehr bitteren Kakaobohne auch noch fertige Schokolade zum „Nachspülen“. Anschließend widmeten wir uns dem Thema Sensorik: Hier gab es diverse Süßungsmittel sowie die wundersame Pflanze Miraculin, die nach Einnahme in Tablettenform sauren Zitronensaft auf der Zunge in ein süßes Getränk verwandelt.

Nach drei Tagen mit vielen interessanten Fakten und besten kulinarischen Eindrücken waren ausnahmslos alle Teilnehmer begeistert von der Konzeption, Durchführung und Praxisnähe des Seminars!

Stipendiaten lösen technisches Problem am CERN

Genf-Fahrt des AK-IU 18.-21.08.2013

Schon zu Asterix‘ Zeiten hatte Genf den Ruf einer internationalen, weltoffenen Stadt, in der während Asterix‘ Besuch die IOS tagt (die Internationale Organisation der Stammeshäuptlinge) (historische Quelle: Asterix den Schweizern). Diesen Ruf hat Genf auch heute noch – zu Recht! Auf dem Programm der Genf-Fahrt, welche durch den AK Innovation und Umwelt ins Leben gerufen wurde, standen nicht nur das renommierte CERN und der Palais des Nations der UNO sondern auch die WTO (World Trade Organization), die WMO (World Meteorological Organization) und die WIPO (World Intellectual Property Organization) sowie Treffen mit Vertretern von der PLR (Parti libéral-radical genevois) und den Jeunes Libéraux Radicaux .

Gelockt von so viel „mondialisme“ und der Hoffnung das ein oder andere Higgs-Teilchen persönlich zu treffen, trafen sich insgesamt 10 Stipendiaten im Französisch sprechenden Genf, um die Stadt und ihre hochkarätigen Institutionen zu erkunden. Nach einem anregenden und sympathischen Abend mit dem Präsidenten der Jeunes Libéraux startete die Exkursion mit einem ganzen Tag im CERN, wo man sich nichts weniger als die Frage stellt (frei nach Goethe): Was ist es, das die Welt im Innersten zusammen hält? Getrieben von der Neugier auf die Lösung dieser gigantischen Frage , hat CERN ein nicht weniger gigantisches Messgerät gebaut: den LHC (Large Hadron Collider). Die Führung startete mit einer großen Herausforderung für die Stipendiaten: der Beamer für die Powerpointpräsentation streikte. Doch wo der CERN Physiker, der die Präsentation halten wollte, scheiterte, feierten die Stipendiaten ihren ersten Erfolg im CERN durch gekonntes Ein- und Ausstecken des Beamer -Stromkabels! Von Physikern, die den Eindruck machten jeden cm des 27 km langen Wunderwerks zu kennen, wurden die Stipendiaten von der Kantine bis zur größten Messstation 100 m unter der Erde und wieder zurück geführt, sogar mit Abstecher in den control-room, wo sich noch reichlich leere Sektflaschen von der letzten Higgs-Teilchen Entdeckung fanden.

Am gleichen Abend trafen sich die Stipendiaten noch mit einem Vertreter der PLR, der begeisternd von der Schweizer Tradition der direkten Demokratie zu erzählen wusste und interessante Gespräche über das politische System des Landes anregte. Der dritte Tag der Exkursion war den Weltorganisationen gewidmet. Direkt am Ufer des sommerlichen Genfer Sees wurden die Stipendiaten durch das Anwesen der WTO geführt und über internationalen Handel wie internationale Baukunst gleichermaßen instruiert, da das Gebäude reich bestückt ist mit kunstvoll eingerichteten Räumen aus aller Welt. Nur 100 Meter entfernt fand sich bereits die WMO, wo die Stipendiaten mit Meteorologen und Pressesprechern über den Weltklimawandel und Klimapolitik diskutierten. Anschließend, wiederrum nur einige Meter entfernt (es scheint die ganze Welt sei in Rufweite), besichtigten die Stipendiaten den Palais des Nations und ließen sich über die Aufgaben, die Geschichte und Ziele der UNO informieren. Zu guter letzt folgte am Ende der lehrreichen Reise der Besuch des WIPO wo man den Konflikt zwischen Besitzern von geistigem Eigentum und Endnutzern sowie die vermittelnde Rolle des WIPO in diesem Konflikt besprach.

Bleibt zu sagen, dass es ein leichtes gewesen wäre diese fantastische Reise noch um eine Woche zu verlängern ohne dass die Auswahlmöglichkeit aus der Fülle der spannend klingenden Institutionen und Museen, die Genf bietet, nennenswert kleiner würde. Genève – on se reverra.

Fracking, Seltene Erden und Co – wohin führt die Rohstoffknappheit?

Arbeiten, wenn andere Urlaub machen – das dachten sich die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer des Seminars „Erdgas-Fracking, Seltene Erden und Co – wohin führt die
Rohstoffknappheit?“, das vom 19. bis 21. Juli in Gummersbach stattfand.

Zum Einstieg am Freitagabend gab uns Steffen Hentrich vom Liberalen Institut der FNF eine Einführung in die Grundsätze liberaler Umweltpolitik. Er vertrat die umstrittene These, dass das gewöhnlicherweise angewendete Verursacherprinzip nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Umweltkonflikte seien Ressourcenkonflikte, bei denen nicht ein einziger Verursacher die gesamte Verantwortung trägt. Vielmehr bestehe immer eine Konkurrenz verschiedener Nutzer um ein freies Gut, der man mit gegenseitigen Vereinbarungen und Verträgen begegnen müsse.

Dr. Hartmut Hoffmann, Arbeitskreis-Leiter des BUND, erläuterte das Thema Abfall,
Rohstoffe und Umweltbelastung aus Sicht einer Umweltschutzorganistion. Er kritisierte vor allem die mangelnde Weitsichtigkeit politischer Entscheidungen, wie etwa den massenhaften Bau von überdimensionierten Müllverbrennungsanlagen. Abseits der Politik plädierte er vor allem für ein stärkeres Umweltbewusstsein der Verbraucher. Fracking wollte er nicht kategorisch ablehnen. Allerdings hält er es derzeit für unnötig, da die Gaspreise stabil sind und die Versorgung gesichert ist. Man solle die Schiefergas-Reserven lieber aufbewahren, weil sie vielleicht irgendwann dringender gebraucht würden.

Ein Höhepunkt des Seminars war der Vortrag von Thomas Grob, Mitarbeiter der Tradium GmbH, über Seltene Erden. Diese Substanzen, die bis vor wenigen Jahren nur Technikern und Chemikern bekannt waren, sind für viele Produkte unserer hochentwickelten Gesellschaft unverzichtbar. Starke Preissteigerungen und -schwankungen haben dafür gesorgt, dass über Versorgungsengpässe spekuliert wird. Die Situation ist laut Grob weniger dramatisch als bisweilen dargestellt, die Förderung muss jedoch in der nächsten Zeit stark erhöht werden, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Weitere Programmpunkte behandelten die Chancen und Risiken der Fracking-Technologie und die Ewigkeitskosten des Bergbaus. Unter anderem wurde deutlich, dass das deutsche Bergrecht zwischen „grundeigenen“ und „bergfreien“ Bodenschätzen unterschidet und dass bei letzteren die Rechte von Grundstückseigentümern vernachlässigt werden.

Henning Wilts vom Wuppertal Institut referierte zum Abschluss über die globale
Entwicklung des Rohstoffverbrauchs und die Perspektiven des Recyclings. Er kam unter
anderem zu dem Ergebnis, dass Recycling trotz gewaltiger Potenziale den Rohstoffabbau
nur zum Teil ersetzen kann. Während einige Metalle bereits seit längerem auf
Wiederverwertungsquoten von über 90 Prozent kommen und sich bereits ein Recycling-
Markt entwickelt hat, steht die Entwicklung bei anderen Substanzen noch ganz am Anfang.

Als Fazit der Veranstaltung lassen sich drei große Herausforderungen für Wirtschaft und
Politik herausstellen. Die Steigerung der stofflichen Wiederverwertung, der
umweltverträgliche Abbau und die Festlegung von Eigentumsrechten.

Strukturtreffen II/2102 – Der AK IU und die Zukunft

Saarbrücken, November 2012

Im November tagte der Arbeitskreis Innovation und Umwelt zum 2. Strukturtreffen 2012 in der Villa Lessing in Saarbrücken.
15 Studierende kamen, um die erfolgreiche Erweckung des AK IU zu bestaunen. Im 1. Strukturtreffen des Jahres wurde nämlich ein Maßnahmenkatalog erstellt, der gewährleisten sollte, den AK IU neu aufzubauen und wieder in ein neues Licht zu rücken. Tatsächlich wurde bei einer Präsentation klar, dass die Neuerungen und Verbesserungen des Leitbildes, der Homepage und des Plakates für die Einführungsveranstaltungen mit dem neuen Logo, den AK in einem neuen Licht erstrahlen lassen und so hoffentlich viele Neustipendiaten für die gemeinsame Arbeit angeworben werden können.

Natürlich kamen nicht nur bereits erreichte Ziele zur Sprache, es wurden auch neue gesteckt. Dazu gehören u.a. die Neugestaltung des Flyers, die ausstehende Inlandsakademie und neue Seminare. Ein Highlight des Treffens war jedoch sicherlich der Besuch des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz (DFKI) am Samstag. Nicht nur bei einem interessanten und vor allem wortgewandten Vortrag konnte man einiges lernen, vor allem die Vorstellung der Zukunftstechnologien am Beispiel von intelligenten Einkaufssystemen (bessere Beschreibung?) erweckte unsere Neugier und die Idee zu einem neuen Seminar.

Dieses Seminar zum Thema Zukunftstechnologien soll 2014 umgesetzt werden. Außerdem entstanden während des Treffens noch weitere Ideen, wie ein Seminar mit dem Thema Willensfreiheit und eine Fortsetzung des erfolgreichen Seminars Freiheit in der Wissenschaft, dieses Mal mit einem Schwerpunkt auf Tierrechte, Forschung und Konsumverhalten. Bereits festgelegt sind die Seminare „Ausstieg aus der Verschwendung – Effizienz in der Energiepolitik“ vom 24.05.2013-26.05.2013 in der THA in Gummersbach und genaue Daten zum Seminar „Rohstoffknappheit“?

Schließlich mussten wir uns noch von unserem AK-Leiter Matthias Kaiser verabschieden, der tolle Arbeit geleistet hat, jedoch aufgrund seines Eintritts in die Arbeitswelt nicht mehr im AK dabei sein wird. Alles Gute für dich, Matthias!

Michael Heihsel und Lasse Krieger sind uns bei der Koordinatorenwahl jedoch erhalten geblieben, zusätzlich darf Timo Brünger zur Wahl gratuliert werden.

Alle drei freuen sich selbstverständlich auf Anfragen von Interessierten, die sich bei uns engagieren wollen, ansonsten kann man auch unserer Facebook-Gruppe „Arbeitskreis Innovation und Umwelt“ oder der Stipnet-Gruppe beitreten.

 

Freiheit in der Wissenschaft – Innovation um jeden Preis?

Ein Seminar zu Stammzellenforschung und PID im Rahmen einer bio-ethischen Betrachtung

Seit den Fortschritten in den Bereichen künstlicher Befruchtung, embyronaler und adulter Stammzellenforschung und natürlich seit dem Klonschaf Dolly findet in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft eine fortlaufende rege Diskussion über Gefahren und Möglichkeiten, Ängsten und Chancen dieser Forschungsrichtung statt. Auch nach dem Bundestagsbeschluss zur Präimplantationsdiagnostik (PID) bleibt das Bedürfnis nach einer weitergehenden Debatte. Zusätzliche Aktualität erhielt das Thema durch den in der Vorwoche an die beiden Stammzellforscher John B. Gurdon und Shinya Yamanaka vergebenen Nobelpreis für Medizin und die damit verbundenen neuen Erkenntnisse in der Stammzellenforschung. Die beiden Biologen Nikola Haneke und Michael Reinders aus dem Arbeitskreis Innovation und Umwelt griffen das Thema deshalb für ein umfassendes Seminar auf. Vom 19.10.2012-21.10.2012 fanden sich dazu Referenten aus Wissenschaft und Ethik sowie interessierte Teilnehmer in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach zusammen. Besonders förderlich für das sehr angeregte Diskussionsklima war die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe: Stipendiaten wie auch stiftungsfremde Interessenten, Teilnehmer mit fachlichen Vorkenntnissen und fachfremde Studenten. Durch die sehr gelungene Gratwanderung zwischen fachlichen Details und allgemeinverständlichen Grundlagen kam jeder Teilnehmer auf seine Kosten. Der Grundgedanke der Organisatoren, als Naturwissenschaftler zu den zahlreichen zumeist geisteswissenschaftlichen Veranstaltungen der Stiftung auch ein naturwissenschaftlich ausgerichtetes Seminar anzubieten, kam bei allen Teilnehmern sehr gut an.

Den Auftakt des Seminars gestaltete Dr. Gérard Bökenkamp mit seinem Vortrag über die liberale Haltung zur Freiheit in der Wissenschaft. Mit diesen allgemeinen Ausführungen als Grundlage folgten am nächsten Tag zwei Vorträge, die im Gegensatz dazu zunächst die biologisch-technische Seite der Debatte beleuchteten. Prof. Dr. Andreas Faissner sprach dabei über die heutigen Möglichkeiten der Regenerativen Medizin und Stammzellenforschung. Dr. Jens C. Schwamborn vervollständigte mit seinem Vortrag über die Chancen und Möglichkeiten der adulten Stammzellen anschließend die kurze Führung durch biologische Grundlagen. Am Mittag wurden in einem Workshop unterschiedliche Haltungen aus Philosophie und Kirche zu den genannten Themen erarbeitet und vorgestellt. Die sehr vorhersehbare kirchliche Meinung sorgte für allgemeine Erheiterung. Die Haltungen der untersuchten Philosophen Peter Singer und Ludger Honnefelder wurden jedoch engagiert und kontrovers von den Teilnehmern diskutiert. Am Abend führte abschließend Dr. jur. Tanja Henking, LL.M., mit ihrer Präsentation über die rechtliche Entwicklung der PID in die juristische Dimension des Komplexes ein. Den mit dem Workshop eingeleiteten ethischen Teil komplettierte am folgenden letzten Tag Theresia Volhard vom Deutschen Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften Bonn (DRZE) mit ihrer kurzen Vorstellung des Zentrums und ihrer Tätigkeit. Danach folgte als Highlight und Abschluss des Seminars eine Podiumsdiskussion zwischen Dr. Schwamborn, Dr. Henking und Theresia Volhard. Da die Seminarteilnehmer schon die ganze Zeit hindurch zwischen den Programmpunkten, beim Essen und Abends bei einem Glas Bier ausgiebig zum Thema debattiert und viele weitere Fragen entwickelt hatten, konnte die starre Form einer Podiumsdiskussion bald zu einer offenen Debatte zwischen allen Beteiligten aufgebrochen werden.

Die grundsätzliche Frage, die während des gesamten Seminars und dann auch bei der Podiumsdiskussion mitschwang, ist die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens. Die Antwort darauf beeinflusst schließlich maßgeblich die persönliche Einstellung bezüglich der in Deutschland verbotenen ES-Stammzellenforschung, PID und Abtreibung. Da der Embryo während der Forschungsaktivität zerstört wird, ist die Definition, ab wann ein werdender Mensch als Mensch mit Menschenwürde bezeichnet wird, für eine Beurteilung sehr wichtig. Schon hier gingen die Meinungen und Ansichten stark auseinander, sodass eine angeregte Debatte über das ganze Wochenende hinweg zu verzeichnen war. An die Frage der Menschwerdung und die damit verbundene Menschenwürde schloss sich die Diskussion an, ob hier nicht der Zweck die Mittel heile. Durch embyronale Stammzellenforschung könnten auf lange Sicht Erkenntnisse über die Bekämpfung vieler schwerer Erkrankungen wie Krebs oder auch Parkinson erlangt werden. Andererseits könnten diese Erkenntnisse eventuell auch durch eine verstärkte Forschung im Bereich der gesetzlich erlaubten Forschung an adulten Stammzellen, also Stammzellen erwachsener Menschen, bezogen werden. Auch der Bereich der in Deutschland nur sehr eingeschränkt erlaubten PID barg großes Diskussionspotential. Auf der einen Seite reichte die Debatte in die Stammzellendiskussion hinein, da bei einer künstlichen Befruchtung mehrere Embryonen erstellt werden, deren Überzahl aufgrund des Forschungsverbots an embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) eingefroren werden. Dabei stellt sich die Frage, ob die Menschenwürde der Embryonen durch das Einfrieren besser geschützt wird als durch die Gewinnung wichtiger Forschungserkenntnisse zur Krankheitsbekämpfung o.ä. aus Untersuchungen der überzähligen Embryonen. Auf der anderen Seite kreiste die allgemeine Debatte um die PID-gestützte Auswahl des gesündesten Embryos, der dann der Mutter eingesetzt wird. Ist es moralisch vertretbar, über das Leben oder den Tod (bzw. in diesem Fall das Einfrieren) eines menschlichen Wesens zu entscheiden? Wer entscheidet dabei, mit welchen Krankheiten das Leben noch lebenswert bleibt, und mit welchen nicht? Auch eine mögliche Zuspitzung der Thematik durch die Überlegung der ungewollten Eugenik oder die Erschaffung von „Designerbabys“ wurde dabei berücksichtigt. Über der gesamten Thematik schwebt dabei auch immer die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben möchten. Heißt Pluralität, Unterschiede und Krankheiten zu akzeptieren? Sind wir es den Menschen schuldig, schlimme Krankheiten und Behinderungen möglichst zu verhindern? Oder kann das Aussortieren erbkranker oder behinderter Embryonen zu einer weitergehenden Diskriminierung Behinderter führen? Gibt es das Recht auf ein gesundes Kind? Inwieweit darf der Mensch eingreifen in den natürlichen Lauf des Lebens? Auch das Aufkommen einer möglichen Zweiklassengesellschaft – Menschen, die sich eine ausgedehnte PID leisten können, und solche, die dies nicht können – im Gesundheitssystem wurde in diesem Zusammenhang diskutiert. Es ist selbstverständlich, dass bei einer derart vielschichtigen und ethisch sehr schwierigen Fragestellung eine eindeutige Lösung utopisch ist. Dennoch konnten anhand der fundierten Vorträge und durch den Austausch untereinander individuelle Meinungen gebildet werden. Großartige Diskussionen, die naturwissenschaftliche Ausrichtung und die hervorragende Organisation von Nikola Haneke und Michael Reinders machten das Seminar zu einer ganz besonderen Veranstaltung. Alle Teilnehmer waren sich abschließend einig darin: Gerne wieder!

Bericht von Marlene Miersch und Michael Heihsel (erschienen im freiraum 2012)

Strukturtreffen I/2012 in Berlin

Bei Erdbeeren mit Schlagsahne ging es beim Strukturtreffen am 12. und 13. Mai des Arbeitskreises Umwelt und Innovation gleich zur Sache. Im Thomas-Dehler-Haus in Berlin diskutierten die 13 jungen Stipendiaten über Internetauftritte, Strukturen und Image des AK. Schnell wurden die betreffenden Aufgaben passend auf die jeweiligen Studenten vergeben. So wurde die Gestaltung des Logos der Kommunikationsdesignstudentin Linda anvertraut. „Als einzige Designstudentin möchte ich mich natürlich gestalterisch in meinem AK einbringen.“, kommentierte sie ihre neue Aufgabe. Die Neustipendiaten erklärten sich auch bereit, die Berichterstattung und die Gestaltung einer Homepage zu übernehmen.

Bei der Besprechung neuer Seminarideen zeigte sich das große Spektrum des Arbeitskreises und die Stipendiaten bewiesen ihre Kreativität und ihre Einsatzbereitschaft. So wurden Seminare geplant, wie zum Beispiel: Urban Gardening: Die ökologische Metropole; Wie lässt sich Wirtschaftswachstum in den Metropolregionen mit Nachhaltigkeit und Ökologie vereinen?

Auch ein Projekt über seltene Erden und Rohstoffknappheit ist geplant. Des Weiteren ist der Gedanke aufgekommen, eine Inlands-oder Auslandsakademie zu veranstalten.

Am Samstagabend wurde sich in geselliger Runde beim Abendessen über andere Themen unterhalten, zum Beispiel das Finale des DFB-Pokals.

Am Sonntag wurden dann noch kritische Punkte, wie besondere Projekte für Mint-ler (Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler, Techniker) und neue thematische Ausrichtungen für den AK besprochen. Vieles wurde an diesem Wochenende angeregt, viele Aufgaben verteilt und Weiteres folgt in Kürze…

Bericht von Janine Jargow und Linda Hanses (erschienen im freiraum 2012)

Seminar: Produkte und deren Patentierung

– sinnvoller Innovationsschutz oder gefährliche Wettbewerbseinschränkung?

Der AK Innovation und Umwelt lud vom 18. bis 20. Mai 2012 in die Theodor-Heuss-Akademie (THA) in Gummersbach ein, um sich mit dem Thema Produktpatentierung, sowie dem Schutz von geistigem Eigentum auseinanderzusetzen. Tagtäglich haben wir mit Patenten zu tun. Doch dienen Patente wirklich einem sinnvollen Schutz von geistigem Eigentum oder schaffen sie nicht nur eine Monopolstellung für den Inhaber? Diese Fragestellung wollte der Arbeitskreis dabei kritisch erörtern.

Nach einer Einführung zu den verschiedenen Schutzrechten durch Patentanwalt Michael Schirmuly (KNH Patentanwälte Düsseldorf) und die Patentierung in der Hochschulpraxis durch die Patentscoutin der FH Köln Frau Dr. Stephanie Grubenbecher, ging es mehr und mehr in die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von solchen Schutzrechten. Durch einen Impulsvortrag von Manuel Barkhau (Philosoph, Übersetzer und freier Programmierer), der anregte jegliche Art von Schutzrechten zu verbieten und dadurch einen vollkommenen Systemumbruch auslösen wollte, wurde eine lebhafte und kontroverse Diskussion losgetreten. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die eine Fraktion mit der gängigen Praxis durchaus einverstanden ist und die andere jegliche Art von Eingriffen durch Schutzrechte in den Markt als nicht vertretbar ansieht. Dabei wurde auch über Themen gesprochen, wie die Entlohnung von „geistigem Eigentum“ geschehen soll.

Diese Auseinandersetzung setzte sich mit der Diskussion mit Alexander Plahr (Mitglied im Vorstand der ELDR) fort, der vor allem die Notwendigkeit des Innovationsschutzes für die Wirtschaft darstellte. Ihm ging es dabei insbesondere um den Innovationsfortschritt, der absolut notwendig für eine gesunde Volkswirtschaft ist.

Den Höhepunkt des Seminars stellte der Vortrag von Dr. Ruth Tippe von der Initiative „Kein Patent auf Leben“ dar. Frau Tippe erklärte anhand von Brokkoli und Tomate, warum Patente auf lebende Organismen, wie Tiere und Pflanzen, nicht sinnvoll und sogar schädlich sind. Denn dadurch zeichnet sich eine Monopolisierung der Saatgutindustrie ab, die fatale Folgen wie Monokulturen oder steigende Saatgutpreise nach sich zieht. Auf eindrucksvolle Weise illustrierte sie die Auswirkungen auf Kleinbauern, sowohl in Europa, als auch in der Dritten Welt. Zwangsläufig ging sie dann auch auf die Rolle von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ein. Nach Meinung der promovierten Biologin ist grundsätzlich an GVOs nichts auszusetzen, aber die Forschung dürfe nicht auf dem freien Feld stattfinden und ferner habe sich nach dem Boom in den 1990er-Jahren kein Erfolg der GVOs eingestellt.

In der gemeinsamen Diskussion wurde auch noch einmal auf die Komplexität der Thematik hingewiesen, die es Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und sogar in der Landwirtschaft erschwert, „richtige“ Entscheidungen zu treffen. Abschließend stellte Herr Bernd Klein von Bodenseo IT-Schulungen einige Paradoxa zu IT-Patenten vor, die eigentlich gar nicht patentierbar sind, aber heutzutage dennoch häufig auf diese Weise geschützt werden.

Alles in allem fand das Seminar großen Anklang bei den Teilnehmern und Referenten. Unser Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, sowie den engagierten und interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Bei Fragen zu diesem Seminar oder den Aktivitäten des Arbeitskreises Innovation und Umwelt schreibt uns bitte an ak.innovation.umwelt@googlemail.com.